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Ojos de Agua: Der Wiederaufbau hat begonnen

Von Horst August (Regionalbüro Lateinamerika-Nord der Friedrich-Naumann-Stiftung)

Wenn Arnoldo Sabillon darüber berichtet, wie der Hurrikan "Mitch" weite Teile seiner Gemeinde Ojos de Agua zerstörte, steht ihm der Schrecken jener Nacht ins Gesicht geschrieben. Wie die meisten Bewohner dieser kleinen Gemeinde in Honduras hatte auch der 43-jährige Kleinbauer Sabillon sein Hab und Gut verloren, als die nach tagelangen sintflutartigen Regenfällen über die Ufer getretenen Flüsse Dutzende von Häusern, Brücken und Straßen mit sich rissen.

"Kurz vor Einbruch der Dunkelheit des 26. Oktober hörte ich Schreie und die Schritte vieler laufender Menschen. lch trat auf die Straße und sah meine Nachbarn die Dorfstraße hinaufrennen. Aus einem vorbeifahrenden Auto riefen uns die Insassen Warnungen vor einer sich nahenden Schlammlawine zu. Wir liefen sofort zu unserem Auto und rasten die Dorfstraße hinauf. Kaum hatten wir das Dorf verlassen, überflutete der Schlamm den Ort und riß die Tankstelle, Wohnhäuser und Lagerhallen mit sich ... Hätte uns die Lawine in der Nacht überrascht, wären wir alle ums Leben gekommen ... Die Gewalt der Schlamm- und Geröllmassen war unvorstellbar."

Unbewußt war Arnoldo Sabillon vorbereitet gewesen. Unter dem Eindruck der tagelangen, schweren Regenfälle hatte er selbst Tage vor der Katastrophe die Leitung des regionalen Nothilfekomittees von Ojos de Agua übernommen. Doch obwohl der Ort - angesichts der tausenden von Todesopfern der Katastrophe im gesamten Land - vergleichsweise glimpflich davongekommen ist, verspürt er Verbitterung über das Erlebte. Denn die Katastrophe, so weiß er, ist nur zum Teil das Werk der Natur gewesen. Für ihn ist die starke Abholzung der Region in den letzten Jahrzehnten der ausschlaggebende Faktor für die angerichteten Zerstörungen.

Der Hurrikan "Mitch" hat viele Häuser unbewohnbar gemacht,
im linken Bild der Bürgermeister Jose Baudilio Buezo
Auch Jose Baudilio Buezo, der dynamische Bürgermeister von Ojos de Agua weiß, daß die ungewohnt starken und langanhaltenden Regenfälle nicht allein Ursache für die Zerstörung seiner Gemeinde sind. Vielmehr haben der Raubbau an der Natur und die dadurch bedingte Umweltzerstörung, aber auch das mangelnde Bewußtsein für die bevorstehende Gefahr bei Bevölkerung und Behörden letztendlich das Ausmaß der Katastrophe bestimmt.

Daraus hat er seine Schlüsse für den Wiederaufbau gezogen: "Ojos de Agua wird eine Mustergemeinde, und wir werden grundlegende bebauungsplanerische Veränderungen vornehmen: Die örtliche Infrastruktur und die Wohnhäuser werden an überschwemmungs- und abrutschsicheren Orten angesiedelt. Zur langfristigen Absicherung werden wir das Umland von Ojos de Agua mit den in unserer Region vorhandenen Kiefern wiederaufforsten."

Die staatlich koordinierte internationale Hilfe für Honduras wurde vor allem über bestehende Verwaltungsstrukturen ihrem Zweck zugeführt. Daher konnten die zerstörte Schule und die Gesundheitsstation bereits Anfang 1999 erneut ihre Tore öffnen. Auch der Wiederaufbau der besonders für den Transport der landwirtschaftlichen Produktion wichtigen Straßen und Brücken ist gesichert. Dagegen leben die Bewohner der zerstörten oder stark beschädigten Häuser noch immer in Hilfsunterkünften, bei Nachbarn und Verwandten. Dies und die nahende Regenzeit machen sie für Jose Baudilio Buezo zum dringendsten Anliegen des Wiederaufbaus von Ojos de Agua.

Der Wiederaufbau basiert auf Eigeninitiative - in Deutschland wie in Honduras

Wo staatliche Organisation und Unterstützung nicht ausreichen, regt sich schnell Eigeninitiative. So auch in Ojos de Agua, wo die Bewohner der zerstörten und beschädigten Häuser inzwischen mit dem Neu- oder Wiederaufbau begonnen haben. Dafür hat ihnen die Gemeinde ein ebenes Grundstück in der Nähe der Schule und mit Straßenanschluß zur Verfügung gestellt. Das Baumaterial, die traditionellen Lehmziegel, wird in der Region preisgünstig hergestellt. Die Arbeitskraft stellen die Nutznießer. Unterstützt werden sie dabei durch eine vor Ort arbeitende britisch-irische nicht-staatliche Organisation.

Diese vorhanden Organisationsstrukturen werden auch für die sinnvolle Verwendung der von den Mitgliedern des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. aufgebrachten Spenden genutzt. Mit den bisher eingegangenen Spenden von knapp 20.000 DM werden auf diese Weise zehn Familien bald ein neues Dach über dem Kopf und neue Zukunftsperspektiven haben.

Die neuen, mit Hilfe des BVA erbauten Häuser bekommen starke Fundamente. Die Wände werden mit dem traditionellen Adobe (Lehmziegel) errichtet.


Bitte beachten Sie auch unseren Bericht Augenärzte helfen Überschwemmungsopfern in Honduras
Stand: 11.05.99