Die 1. Vorsitzende:
Dr.med. Gudrun Blaul
Tersteegenstr. 12
D-40474 Düsseldorf
Tel (0211) 43037-00
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Quo vadis Augenheilkunde ?
"Chaos statt Solidarität" lautete das Motto des Kassenärztetages am 20.03.1999. Die geballte Kassenärzteschaft demonstrierte der Bundesgesundheitsministerin Solidarität und einheitliches Vorgehen. Mit einer Stimme im Gesundheitswesen zu sprechen, würde der Ärzteschaft tatsächlich eine ungeahnte Position verschaffen, an der die Politik nicht so einfach vorbeigehen könnte. Statt dessen seilen sich die Kinderärzte zu den Hausärzten ab, gründen eine GHB (Gemeinschaft Hausärztlicher Berufsverbände), die Internisten gründen einen Hausärztlichen Internistenverband und bei den Augenärzte entstehen und entstanden kleine und größere Vereinigungen von Ärzten, die allesamt aus ihrem Blickwinkel durchaus berechtigte Interessen vertreten wollen, dabei aber das einheitliche Bild der Augenheilkunde in Deutschland hintan stellen. Augenheilkunde ist nämlich nicht nur konservativ, ambulant operativ oder klinisch stationär, sie ist auch nicht nur Strabologie, Naturheilkunde, Psychosomatik, Glaukomfrüherkennung oder ein sonstiger kleiner Ausschnitt. Augenheilkunde umfaßt viel mehr: den konservativen, den ophthalmochirurgischen und den klinisch-stationären Bereich. So sollte dies auch in Zukunft bleiben. Die augenärztliche Kompetenz, auch in Zusammenarbeit untereinander zwischen dem einen spezialisierten und dem anderen spezialisierten Augenarzt, kann und darf nicht auf einen einzelnen der großen Bereiche reduziert werden. Jeder Ansatz hierzu stellt unsere Ophthalmologie in Frage.
Wir haben schon genügend Einbrüche in unser Fachgebiet auf zahlreichen "Nebenkriegsschauplätzen" verhindert und die Position und Kompetenz der Augenärzte gerichtlich verteidigt. Jegliche freiwillige Übertragung von Kompetenzen auf andere wäre die Sollbruchstelle und der Weg in die britische Ophthalmologie. Bei aller z.T. berechtigten Diskussion um Vernetzung, Kooperation und Kommunikation darf die notwendige und berechtigte Abgrenzung nicht außer acht gelassen werden, sondern wird im Kampf um den Erhalt der Augenheilkunde lebensnotwendig. Es dreht sich beileibe nicht um ein bloßes Kompetenzgerangel unterfüttert von evtl. Neidkomplexen, wenn unter der Budgetbedrohung die Mehrheit der Augenärzte angesichts eines immer noch interpretationsfähigen und nicht scharf formulierten VoP-Papieres auf die Barrikaden geht und ihre Position - gelegentlich auch überschießend - verteidigt. Es ist vielmehr auch die Umsetzung des Wirtschaftlichkeitsgebotes, die nur dann gewährleistet ist, wenn der durch eine lange Weiterbildungszeit gerüstete sachkundige Augenarzt die richtige Diagnose stellt und Therapie anordnet und nicht ein hierzu nicht weitergebildeter Hausarzt. Als Hüter und Verteidiger der gesamten Ophthalmologie in Deutschland hat der Vorstand des Berufsverbandes auch die Aufgabe, divergierende Auffassungen einzufangen und zu integrieren. Wo dies nicht gelingt und das einheitliche Bild der Ophthalmologie Risse aufweist, muß er letztendlich auch den Mut zur Abgrenzung haben und, so schmerzlich es sein mag, den Wunsch nach Selbständigkeit der VoP akzeptieren und den Weg dafür freimachen.
Damit eröffnet sich andererseits dem BVA die Möglichkeit, mit allen augenärztlichen Gruppierungen ein umfassendes und integrales Konzept einer bedarfsgerechten ophthalmochirurgischen Versorgung zu erarbeiten, wobei der Schwerpunkt auf der Verlagerung der Operationen in den ambulanten Bereich liegt. Die Arbeitsgemeinschaft augenärztlicher Verbände liefert dazu die geeignete Platform und hat bereits die Arbeit aufgenommen.
Dr. G. Blaul
1. Vorsitzende