Berufsverband der Augenärzte
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Düsseldorf, 10.04.03

Hornhautentzündung durch gefährliche Parasiten im Wasser

Augenärzte warnen: Kontaktlinsen nicht mit Leitungswasser reinigen

Kontaktlinsen sind längst ein begehrter Modeartikel geworden, vor allem junge Menschen schätzen die unkomplizierte und unsichtbare Sehhilfe. Viele vergessen allerdings, wichtige Pflegetipps zu beachten und gefährden dadurch die Gesundheit ihrer Augen. In Deutschland erkranken jährlich 3.000 bis 4.000 Kontaktlinsenträger an einer gefährlichen Hornhautentzündung, weil sie ihre Linsen nicht richtig reinigen (1). Dabei sind weiche Kontaktlinsen besonders anfällig für Verunreinigungen. Im Wasser von Seen, Schwimmbädern und sogar im Leitungswasser lauern Mikroorganismen, die über die Kontaktlinsen ins Auge gelangen. Zu diesen Parasiten gehört auch die mikroskopisch kleine Akanthamöbe, die sich von dem Biofilm (= Ablagerungen) auf der Kontaktlinse ernährt. Wenn eine infizierte Kontaktlinse nicht rechtzeitig aus dem Auge entfernt wird, kommt es zu einer Hornhautentzündung, die schnell zu einer Hornhauttrübung führen kann. Werden die typischen Symptome wie Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Sehverschlechterung und vermehrter Tränenfluss zu spät erkannt, droht im schlimmsten Fall die Erblindung. Als letzter Ausweg ist dann nur noch ein Rettungsversuch durch eine Hornhaut-Transplantation möglich. Wer sich für Kontaktlinsen als Sehhilfe entscheidet, sollte also nicht an der Reinigung sparen. Bei der Hygiene gilt es wichtige Regeln zu beachten, damit Akanthamöben auf der Hornhaut keine Chance haben. Dr. Gerald Böhme, Leiter des Arbeitskreises Kontaktlinsen des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA), rät: "Da Wasser die häufigste Infektionsquelle darstellt, sollten Linsen und Linsenbehälter niemals in Berührung mit Leitungswasser kommen. Die Kontaktlinsenflüssigkeit muss außerdem vor dem Einlegen der Linsen jedes Mal erneuert werden."

Was tun bei roten Augen?

Über 2,5 Millionen Deutsche tragen weiche Kontaktlinsen (das sind fast 70 % aller Kontaktlinsenträger). Diese sind im Gegensatz zu harten Linsen sehr anfällig für Bakterien und Keime sind, weil sie aus einem schwammartigen Kunststoff bestehen, der in seinen Poren Inhaltsstoffe aus der Tränenflüssigkeit enthält, an denen Mikroorganismen gerne "knabbern". Viele Desinfektionsstoffe, die im Kontaktlinsenreiniger solche Mikroorganismen bekämpfen sollen, können Allergien auslösen oder vertragen sich nicht mit gleichzeitig angewandten Augentropfen, Antibiotika oder Hormonen. Verkäufer von Kontaktlinsen kennen die chemischen Bestandteile der Pflegemittel oft nicht ausreichend. Bei Unverträglichkeit wird dann nicht selten einfach ein anderes Produkt empfohlen. "Keine Experimente! Wir raten dringend davon ab, bei gereizten Augen einfach das Pflegemittel zu wechseln oder gar unterschiedliche Marken miteinander zu kombinieren", erklärt Dr. Böhme. "Sobald Probleme auftreten, ist eine Untersuchung beim Augenarzt dringend erforderlich. Schon leicht gerötete Augen können auf eine Hornhautentzündung hindeuten. Bei dieser Augenerkrankung ist eine Frühdiagnose durch den Augenarzt besonders wichtig, um Spätfolgen und dauerhafte Hornhautschäden zu vermeiden."

Regeln für den Alltag

Auf die Reinigung der Kontaktlinsen mit Leitungswasser sollte aufgrund der hohen Infektionsgefahr gänzlich verzichtet werden, auch wenn die Zeitschrift Ökotest dies noch im Septemberheft 2002 fälschlicherweise empfohlen hat. Doch auch im Linsenbehälter vermehren sich Bakterien gern und dienen dann als ideale Nahrungsgrundlage für Amöben und andere Parasiten. Dr. René Mély, Leiter der deutschen Akanthamöben-Studie, empfiehlt deshalb: "Der Linsenbehälter sollte tagsüber trocken aufbewahrt und etwa alle drei Monate erneuert werden. Kontaktlinsen sollten nur mit frisch gewaschenen und abgetrockneten Händen eingesetzt werden. Die Linsen müssen mindestens einmal täglich gereinigt werden." Es empfiehlt sich, die Gebrauchsanweisung des Pflegemittels genau zu studieren und die Substanz nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr zu verwenden. Beim Schwimmen kann zum Schutz vor Infektionen eine Schwimmbrille benutzt werden oder besser noch Ein-Tages-Linsen, die gleich nach dem Schwimmen weggeworfen werden. Bei Beachtung dieser Hinweise können moderne Kontaktlinsen heute von jedem getragen werden, der gesunde Augen hat.

(1) Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene


Stand: 10.04.03