Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
eMail: bva@augeninfo.de
|
|
Zur Internet-Homepage des BVA
Zur Übersicht
Leitlinie Nr. 24
Uveitis intermedia und posterior / Endophthalmitis (1,2,3,4)
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Uveitis intermedia:
Entzündung vorwiegend der Pars plana des Ziliarkörpers
Uveitis posterior:
Entzündung vorwiegend der Chorioidea und/oder der Retina
Endophthalmitis:
Erregerbedingte Entzündung aller intraokularen Gewebe (z.B. postoperativ,
posttraumatisch, endogen-metastatisch)
Epidemiologie
- Inzidenz aller Uveitiden ca. 15-20 / 100.000 in Mitteleuropa
- davon ca. 10% Uveitis intermedia und ca. 20% Uveitis posterior
Ziel
Heilung des akuten Schubes bzw. der Komplikationen
- Diagnose und Therapie systemischer Grunderkrankungen
- Prophylaxe von Rezidiven und Komplikationen
Vorgehen
Notwendig:
- Anamnese
- Inspektion der Augen und ihrer Adnexe
- Sehschärfenbestimmung, ggf. mit bekannter Korrektur (falls
erforderlich Ausmessen vorhandener Sehhilfen)
- Spaltlampenuntersuchung der vorderen und mittleren Augenabschnitte
- binokulare Untersuchung des Glaskörpers und des gesamten
Augenhintergrundes
- Tonometrie
- Dokumentation
- Befundbesprechung und Beratung
Im Einzelfall erforderlich:
- weiterführende Anamnese:
Hinweise auf
- frühere Erkrankungen z.B. Lues, AIDS (Erkrankungen von
Sexualpartnern, Drogenkonsum, Bluttransfusionen) ?
- siehe Leitlinie Nr. 14
- weitere Untersuchungen der altersentsprechenden Basisdiagnostik (z.B.
bei durch den Lokalbefund nicht zu erklärender Visusminderung oder
bei Patienten, die sich erstmals oder nach einem Intervall von über
einem Jahr nach der letzten augenärztlichen Basisdiagnostik
vorstellen, siehe Leitlinien Nr. 2 - 4)
- Perimetrie
- Fluoreszeinangiographie unter Umständen bei Verdacht auf
Makulaödem und/oder bei unklarem ophthalmoskopischen Befund
- Ultraschall bei fehlendem oder unzureichendem Funduseinblick
- Elektrophysiologie (ERG, VEP)
- Kommunikation mit Hausarzt bzw. zuständigem Facharzt zur weiteren
Diagnostik (z.B. Internist, Neurologe, Pädiater, Dermatologe,
HNO-Arzt) entsprechend Anamnese, Verlauf und Befund
grundsätzlich ätiologische Abklärung (Differentialdiagnose)
erforderlich (zwingend bei Kindern und Jugendlichen):
- bildgebende Verfahren z.B.
- Röntgen: Thorax
- Röntgen: Schädel (intrakranielle Verkalkungen bei
Toxoplasmose ?)
- ggf. Gallium-Szintigraphie (bei erhöhtem ACE-Spiegel)
- Serologie/lmmunologie
- Stufendiagnostik nach Wahrscheinlichkeit (Vorgeschichte, Alter,
Geschlecht, Befund)
- siehe Leitlinie Nr. 14
- HIV-Diagnostik
- ggf. Toxocariasis-Serologie
- Blutkultur bei Verdacht auf bakterielle/mykotische Endophthalmitis
- ggf. Glaskörperaspirat in Einzelfällen (z.B. Zelldiagnostik
bei Verdacht auf Lymphom oder zur mikrobiologischen Diagnostik
posttraumatisch oder postoperativ)
- ggf. neurologische Abklärung bei Encephalomyelitis disseminata
Therapie
Uveitis intermedia und Uveitis posterior
- medikamentös (1)
- siehe Leitlinie Nr. 14, in der Regel
systemisch
- ggf. gezielt antiparasitär (z.B. Toxoplasmose, Toxocariasis)
- operativ (je nach Befund und Verlauf) (2)
- Pars-plana-Vitrektomie ggf. mit Katarakt-Operation
- Laserkoagulation und/oder Kryokoagulation der peripheren Netzhaut
postoperative und posttraumatische Endophthalmitis (3)
- je nach Befund und Verlauf Pars-plana-Vitrektomie ggf. mit
Katarakt-Operation / Entfernung der Kunstlinse
- intravitreale und unter Umständen auch systemische
antibiotische/antimykotische Therapie (möglichst gezielt nach
Glaskörperkultur)
- zur etwaigen postoperativen Therapieanpassung mikrobiologische
Diagnostik zur Abklärung aus dem gewonnenen Operationsmaterial
endogene-metastatische Endophthalmitis
- je nach Befund und Verlauf:
- systemische, ggf. intravitreale (vorwiegend CMV-Retinitis),
antibiotische/antimykotische/antivirale Therapie
- Pars-plana-Vitrektomie, ggf. mit Katarakt-Operation
Maßnahmen im Intervall
Hinweis auf
- Patientengruppen (Informationen über den Dachverband "Deutsche
Uveitis-Arbeitsgemeinschaft e.V." siehe
Leitlinie Nr. 14) (4)
Ambulant/Stationär
- im akuten Schub der Uveitis bei klarer Diagnose ambulant
- bei operativer Therapie überwiegend stationär
- bei Endophthalmitis immer stationär
Kontrollintervalle
(1)
Manthey KP
"Immunsupressive Therapie bei intraokularen Entzündungen"
Ophthalmologe 95: 792-805/846-858 (1998)
(2)
Thumann G, Bartz-Schmidt KU, et al
"Vitrektomie in der Behandlung von Augen mit komplizierter Uveitis"
Klin Mbl Augenh 211: 241-244 (1977)
(3)
Luther ThT, Bartz-Schmidt KU
"Endophthalmitis"
Ophthalmologe 96: 758-771 (1999)
(4)
Deutsche Uveitis-Arbeitsgemeinschaft e.V.
siehe Leitlinie Nr. 14
© 1998-2001 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 25.07.2001
*** end ***