Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
eMail: bva@augeninfo.de
|
|
Zur Internet-Homepage des BVA
Zur Übersicht
Leitlinie Nr. 19 b
Nd:YAG-Laser Kapsulotomie des Nachstars
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Beim Nachstar handelt es sich um eine Eintrübung der Linsenkapsel nach
extrakapsulärer Katarakt-Operation.
Epidemiologie
Auftreten bei bis zu 50% aller wegen Katarakt operierter Augen bis zum 5.
postoperativen Jahr, abhängig von der Art des Eingriffs, der
implantierten Linse, wie von zusätzlichen Erkrankungen des Auges
(1, 2).
Ziel
- Besserung der visuellen Funktionen
- Besserung des Funduseinblicks
Vorgehen
Notwendig
- Anamnese
- Zeitpunkt der Katarakt-Operation?
- Sehverschlechterung seit wann und wie ausgeprägt?
- Topische/systemische Medikation?
- Inspektion der Augen und ihrer Adnexe
- Kontrolle vorhandener Sehhilfen
- Sehschärfenprüfung, ggf. mit objektiver und subjektiver Refraktionsbestimmung
- Spaltlampenuntersuchung der vorderen und mittleren Augenabschnitte
- Untersuchung des Augenhintergrundes, ggf. in Mydriasis
- Messung des Augeninnendruckes
- Dokumentation
- Befundbesprechung und Beratung einschl. Aufklärung über den
geplanten Eingriff und dessen Risiken (z.B. Netzhautablösung,
zystoides Makulaoedem, vorübergehende Augeninnendrucksteigerung)
Im Einzelfall erforderlich
- weiterführende Untersuchungen der Basisdiagnostik nach
Leitlinie Nr. 4 (z.B. bei durch den
Lokalbefund nicht zu erklärender Visusminderung oder bei Patienten,
die sich erstmals oder nach einem Intervall von über einem Jahr nach
der letzten augenärztlichen Basisdiagnostik vorstellen).
Therapie
In der Regel wird eine zentralen Sehlücke im Nachstar mit Hilfe des Nd:
YAG-Lasers geschaffen. Alternative chirurgische Verfahren können bei
bestimmten Befunden angezeigt sein.
Indikationen:
- nachstarbedingte Funktionseinbußen, welche die individuellen
visuellen Ansprüche (z.B. beruflich, privat) oder
Eignungsvoraussetzungen (z.B. Verkehrstauglichkeit) des Patienten
beeinträchtigen bzw. gefährden.
- zwingende medizinische Gründe (Behinderung des Funduseinblicks)
Strukturqualität zur Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie
- Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften für die Anwendung
von Laserstrahlen (3)
- es gelten nicht die Voraussetzungen für Operationsräume nach
den dreiseitigen Verträgen gemäß § 115 b SGB V.
Durchführung der Nd:YAG-Laser-Kapsulotomie
- in der Regel Anwendung des Nd:YAG-Lasers in Mydriasis am
Spaltlampenmikroskop mit oder ohne Einsatz eines fokussierenden
Kontaktglases
- postoperativ topische/systemische Medikation zur Augeninnendrucksenkung
und/oder Entzündungshemmung nach Einschätzung der klinischen
Situation
Ambulant/stationär
- Der Eingriff wird grundsätzlich ambulant vorgenommen.
Kontrollintervalle
- in den ersten drei postoperativen Tagen zumindest bei Beschwerden
und/oder erhöhtem Risiko zur Drucksteigerung und/oder intraokularen
Entzündungsreaktion
- bei Komplikationen kurzfristig
- objektive und subjektive Refraktionsbestimmung bis zur dritten
postoperativen Woche; bei zusätzlichen Beschwerden sofort
- Untersuchung des Augenhintergrundes in Mydriasis spätestens nach
einem Jahr, bei zusätzlichen Risikofaktoren (siehe
Leitlinie Nr. 22a) auch früher
(1)
Javitt JC,Tielsch JM:
National outcomes of cataract extraction.
Increased risk of retinal complications associated with Nd:YAG laser capsulotomy.
Ophthalmology (1992) 99:1487-1498
(2)
Apple DJ, Solomon KD, Tetz MR et al.:
Posterior capsule opacification.
Surv Ophthalmol (1992) 37:73-116
(3)
VBG 93 (Laserstrahlung)
vom 1. April 1988 in der Fassung vom 1. Januar 1993
mit Durchführungsanweisungen vom Oktober 1995
Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik
© 1999 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 26.11.1999
*** end ***