Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
eMail: bva@augeninfo.de
|
|
Zur Internet-Homepage des BVA
Zur Übersicht
Leitlinie Nr. 14
Uveitis anterior (1)
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Entzündungen von Regenbogenhaut (Iritis) und pars plicata des
Ziliarkörpers (Iridozyklitis: primär und sekundär als
"Spill-Over"-Phänomen); idiopathisch oder assoziiert mit systemischer
Grunderkrankung; akut/chronisch rezidivierend.
Epidemiologie
- Inzidenz aller Uveitiden: ca. 15 - 20 / 100.000 in Mitteleuropa
- davon ca. 70 % Uveitis anterior
- bei 30 % aller akuten Entzündungen später Rezidive
- rund 50 % aller Fälle assoziiert mit systemischer Grunderkrankung
Ziel
- Heilung des akuten Schubes bzw. der Komplikationen
- Diagnose und Therapie systemischer Grunderkrankungen
- Prophylaxe von Rezidiven und Komplikationen
Vorgehen
Notwendig:
- Anamnese
- welche Beschwerden und seit wann ?
- Beginn (akut oder schleichend) ?
- Verlauf (erstmals oder wiederholt) ?
- akute körperliche Begleitsymptome ?
- vorhergehende Entzündungen/Operationen/Verletzungen der Augen ?
- Inspektion der Augen und ihrer Adnexe
- Sehschärfenbestimmung, ggf. mit bekannter Korrektur (falls
erforderlich Ausmessen vorhandener Sehhilfen)
- Spaltlampenuntersuchung der vorderen und mittleren Augenabschnitte,
einschließlich des Glaskörpers
- Untersuchung des zentralen Augenhintergrundes (binokular stereoskopisch
bei Verdacht auf Makulaödem oder Papillenödem)
- Tonometrie
- Dokumentation
- Befundbesprechung und Beratung
Im Einzelfall erforderlich:
- weiterführende Anamnese
Hinweise auf:
- frühere Erkrankungen ?
- rheumatische oder Gelenk-Beschwerden ?
- Lungen-Erkrankungen ?
- Magen-Darm-Erkrankungen ?
- urogenitale Erkrankungen ?
- Mundinfektionen ?
- Nierenerkrankungen ?
- Hauterkrankungen ?
- Zeckenbiß ?
- Malignome ?
- Medikamente ?
- soziale Situation ?
- seelische Belastungen ?
- Familienvorgeschichte (Systemerkrankungen, Augenentzündungen ?)
- weitere Untersuchungen der altersentsprechenden Basisdiagnostik (z.B.
bei durch den Lokalbefund nicht zu erklärender Visusminderung oder
bei Patienten, die sich erstmals oder nach einem Intervall von über
einem Jahr nach der letzten augenärztlichen Basisdiagnostik
vorstellen, siehe Leitlinien Nr. 2 - 4)
- Prüfung der Augenstellung und -beweglichkeit
- Binokulare Untersuchung des gesamten Glaskörpers und
Augenhintergrundes
- Gonioskopie
- zentrale Perimetrie (z.B. Amsler-Test) bei Verdacht auf Makulaödem
- Fluoreszeinangiographie bei V.a. Makulaödem und/oder unklarem
ophthalmoskopischen Befund
- Ultraschall bei fehlendem Funduseinblick und Verdacht auf Beteiligung
der Hinterabschnitte oder zum Ausschluß eines intraokularen
Fremdkörpers
- bei Beteiligung der hinteren Augenabschnitte und/oder Nachweis einer
systemischen Grunderkrankung siehe Leitlinie Nr. 24
- Kommunikation mit Hausarzt bzw. zuständigem Facharzt zur weiteren
Diagnostik (z.B. Internist, Neurologe, Pädiater, Dermatologe,
HNO-Arzt) entsprechend Anamnese, Verlauf und Befund
Spätestens ab dem zweiten Schub (bei Kindern und Jugendlichen sofort) ist
eine ätiologische Abklärung (Differentialdiagnose) erforderlich:
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Thorax
- Röntgen: Iliosakralgelenke (bei Verdacht auf ankylosierende
Spondylitis)
- ggf. Gallium-Szintigraphie (bei erhöhtem ACE-Spiegel)
- Serologie/Immunologie Stufendiagnostik nach Wahrscheinlichkeit
(Vorgeschichte, Alter, Geschlecht, Befund):
- Differentialblutbild
- Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit HLA B 27 (immer bei Kindern)
- ACE (Angiotensin-Converting-Enzym) (zu 73 % erhöht bei systemischer
Sarkoidose)
- ANA (antinukleäre Antikörper) - immer bei Kindern
- cANCA (Antizytoplasmatische Antikörper)
- Lues-Serologie
- Borreliose-Serologie
- ggf. HSV-, VZV-, EBV-Nachweis (ggf. aus Kammerwasser)
- ggf. Leptospirose-Serologie
- ggf. Brucellose-Serologie
Therapie
Im akuten Schub
- topische (ggf. subkonjunktivale) medikamentöse Therapie:
- Mydriatika
- Steroide
- ggf. Virustatika (z.B. herpetische Kerato-Iritis)
- ggf. drucksenkende Medikation (z.B. Betablocker;
Karboanhydrase-Hemmer)
- ggf. systemische medikamentöse Therapie:
- Steroide, nicht-steroidale Antiphlogistika
- Behandlung des systemischen Grundleidens (Antibiotika, Virustatika,
lmmunsuppressiva) zusammen mit Hausarzt bzw. zuständigem Facharzt
- Karboanhydrase-Hemmer
Im Intervall
- ggf. Steroide zur Rezidiv-Prophylaxe
- ggf. weitere Immunsuppressiva (z.B. Cyclosporin A zur Einsparung von
Steroiden)
- ggf. UVA-Therapie (z.B. subtropische Klimatherapie)
- ggf. optische Rehabilitation
- Operation einer Sekundär-Katarakt
- EDTA-Touchierung einer Band-Keratopathie
- vergrößernde Sehhilfen (siehe
Leitlinie Nr. 7)
- ggf. drucksenkende Operation
Hinweis auf:
- Patientengruppen (Informationen über den Dachverband "Deutsche
Uveitis-Arbeitsgemeinschaft e.V." (2))
Ambulant/Stationär
- in der Regel ambulant; in Ausnahmefällen auch stationär
Kontrollintervalle
- im akuten Schub engmaschig in Abhängigkeit vom Befund
- bei chronisch rezidivierenden und schleichenden Formen ohne erkennbare
subjektive oder objektive Symptomatik ca. alle drei Monate (z.B. juvenile
Arthritis)
- bei Mädchen mit ANA-positiv chronischer Verlaufsform alle 6 Wochen
- in Abhängigkeit vom Aufklärungszustand des Patienten zur
Selbsterkennung von Rezidiven
- nach operativem Eingriff in Abhängigkeit von Verfahren und Befund
(1)
siehe auch DOG-Leitlinie:
"Uveitis anterior (Iritis und Iridozyklitis)"
(2)
Deutsche Uveitis-Arbeitsgemeinschaft e.V (DUAG)
Ansprechpartner:
Herr Volker Becker
Forsthausstraße 6
35792 Löhnberg
Tel (06471) 61369
Fax (06471) 98058
eMail webmaster@duag.org
Internet www.duag.org
© 1998-2000 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 11.03.2000
*** end ***