Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
eMail: bva@augeninfo.de
|
|
Zur Internet-Homepage des BVA
Zur Übersicht
Leitlinie Nr. 11
"Trockenes Auge" (Sicca-Syndrom) und Blepharitis (1, 2)
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Der Begriff "trockenes Auge" bezeichnet einen Zustand, der durch eine
Verminderung der Produktion an Tränenflüssigkeit und/oder
Fehlfunktion des Tränenfilms zu einer Erkrankung der Augenoberfläche
führt. Die Blepharitis des äußeren Lidblattes ist eine
Entzündung (infektiös oder nicht infektiös) des Augenlides. Die
Blepharitis des inneren Lidblattes ist ein Zustand mit Fehlfunktion (mit oder
ohne Entzündung) der Meibomschen Drüsen. Beides kann zu einer
Erkrankung der Augenoberfläche führen. Blepharitis und "trockenes
Auge" sind unterschiedliche Erkrankungen, treten aber oft gemeinsam auf, rufen
ähnliche Beschwerden hervor und erfordern eine sich überlappende
Diagnostik.
Epidemiologie
"Trockenes Auge" und Blepharitis sind sehr verbreitet und können in
Zusammenhang mit Systemerkrankungen oder bei Hautkrankheiten auftreten.
Symptome des trockenen Auges können durch Medikamente oder Umweltfaktoren
ausgelöst und/oder verstärkt werden.
Ziel der Behandlung
- Verminderung der Symptome
- Linderung der Beschwerden
- Verhinderung von Dauerschäden
Vorgehen
Notwendig:
- gezielte Anamnese
aktuell:
- Beschwerden akut oder chronisch ?
ophthalmologisch:
- sonstige Erkrankungen/Verletzungen ?
- topische Medikamente ?
allgemeine individuelle Vorgeschichte:
- Umfeldbedingungen ?
- Hauterkrankungen ?
- systemische Erkrankungen ?
- systemische Medikamente ?
- Inspektion der Augen und ihrer Adnexe; Prüfung der Lidstellung
- Sehschärfenbestimmung, ggf. mit bekannter Korrektur (falls
erforderlich Ausmessen vorhandener Sehhilfe)
- Spaltlampenuntersuchung der vorderen Augenabschnitte u.a.
- Prüfung der lidkantenparallelen Konjunktivalfalten
- Prüfung des Tränenmeniskus
- Ausschluß parasitären Befalls (z.B. Phtiriasis, Demodex
folliculorum)
- Dokumentation
- Befundbesprechung und Beratung
Im Einzelfall erforderlich:
- weitere Untersuchungen der altersentsprechenden Basisdiagnostik (z.B.
bei durch den Lokalbefund nicht zu erklärender Visusminderung oder
bei Patienten, die sich erstmals oder nach einem Intervall von über
einem Jahr nach der letzten augenärztlichen Basisdiagnostik
vorstellen, siehe Leitlinien Nr. 2 - 4)
- Kontrolle des Tränenabflusses
- Tränenfilmaufrißzeit
- Schirmertest
- Farbstofftests (Fluoreszein oder Bengalrosa)
- Farnkrauttest
- lmpressionszytologie
- Abstrich des Lidrandes (Bakteriologie)
- Kommunikation mit Hausarzt bzw. zuständigem Facharzt
Therapie
- ggf. Ausgleich von Fehlsichtigkeit
- ggf. Ausgleich von Pathophorie
- ggf. Korrektur von Lidfehlstellungen
bei trockenem Auge
- medikamentös: Tränenersatzstoffe (Tropfen, Gele, Salben) bei
Beschwerden, Tränenersatzstoffe ohne Konservierungsmittel bei
häufiger Applikation oder Allergie, ggf. schleimlösende Mittel
- ggf. bei schwerer Symptomatik im Rahmen von System-Erkrankungen (z.B.
Sjögren-Syndrom) systemisch Steroide und/oder weitere
lmmunsuppressiva
- augenärztlich-psychologische Führung
- ggf. physikalische Maßnahmen: Brille mit Seitenschutz,
Uhrglasverband zur Nacht
- ggf. chirurgische Maßnahmen:
Tränenpünktchenverschluß (Kollagenstifte, Punctum plug,
Kauterisation); Augenlidchirurgie (Tarsorrhaphie, Korrektur von
Lidfehlstellungen)
bei Blepharitis
- Lidrandhygiene
- je nach Krankheitsursache und Befund Antiinfektiosa
(Desinfizientien/Antibiotika), ggf. topische Steroide oder
Steroid-Antibiotika-Kombinationen (nur kurzzeitig)
- ggf. (z.B. bei Rosacea) systemische Antibiotika wie Tetracyclin
(alternativ: Erythromycin)
Ambulant/Stationär
Kontrollintervalle
je nach Befund und Beschwerden z.B.:
- zur Überprüfung der Verträglichkeit, ggf.
Revisionsbedürftigkeit der Therapie (z.B. Allergie)
- zur Kontrolle des Augeninnendrucks bei länger dauernder
unvermeidbarer Steroid-Applikation
- bei Notwendigkeit einer begleitenden ärztlich-psychologischen
Führung
(1)
siehe auch DOG-Leitlinien:
"Trockenes Auge" und "chronische Blepharo-Konjunktivitis"
(2)
Brewitt, H.; Höh, H.; Kaercher, T.; Stolze, H.H.:
"Das trockene Auge, Empfehlungen der Arbeitsgruppe Trockenes Auge im BVA",
Z.prakt.Augenheilkd. (1997) 18: 371-379
© 1998 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 20.12.1998
*** end ***