Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
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Leitlinie Nr. 6 a
Anpassung und Kontrolle von Verbandlinsen
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Eine Anpassung von Verbandlinsen bezweckt folgende Ziele (1, 2):
- Schutz der Hornhaut (z.B. bei Trichiasis, Entropium, Keratitis
e lagophthalmo)
- Förderung der Wundheilung (z.B. Epitheldefekte, lamellierende und
perforierende Verletzungen der Hornhaut, nach Verbrennungen und
Verätzungen, trophische Ulzerationen)
- Schmerzlinderung (z.B. Keratopathia bullosa, traumatisch oder iatrogen
bedingte Epitheldefekte)
- Als Medikamentendepot, wenn eine kontinuierliche Medikamentenzufuhr
erforderlich ist
- Verschluss einer externen Fistel bei Hypotonia bulbi nach fistulierender
Glaukom-Operation
Zwingende medizinische Indikationen im Bereich der GKV werden im SGB V
und den Hilfsmittelrichtlinien (3) in der jeweils aktuellen Fassung
festgelegt. Bei jeder Kontaktlinsenversorgung müssen kurz- oder
langfristige Schäden am Auge vermieden werden.
Vorgehen
Das Vorgehen unterscheidet sich im Allgemeinen nicht von der Anpassung des
jeweiligen Linsentyps (4), siehe
Leitlinie Nr. 6.
Notwendig, zusätzlich zur bereits erfolgten altersspezifischen
Basisdiagnostik und zur Diagnostik und ggf. Therapie der Erkrankung, wegen der
die Verbandlinse indiziert wird:
- Anamnese (z.B. allgemeine Erkrankungen wie Immunschwäche,
Gravidität, Medikamente, Tränenfilmstörungen, Erfahrungen
als Kontaktlinsenträger, Kontaktlinsenträger im sozialen Umfeld)
- Abklärung der Compliance, Einschätzung der Hygiene
- Stellen bzw. Überprüfung der Indikation zur
Kontaktlinsenanpassung
- Auswahl der Kontaktlinse:
Die meisten Fälle können mit weichen Kontaktlinsen versorgt
werden. In seltenen Fällen können auch formstabile Korneal- oder
Sklerallinsen erforderlich sein. Das Tragen von vT-Linsen setzt
Materialien mit einer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit und einer guten
Verträglichkeit voraus. Eine Sauerstofftransmissibilität von
87x10-9 gilt als unterste Grenze für ein sicheres Tragen
von Kontaktlinsen über Nacht (5, 6). Linsen mit einem
Dk/t-Wert unter 87x10-9 sollten daher nur in medizinisch
begründeten Ausnahmefällen angepasst werden
- Einsetzen der Kontaktlinse unter Beachtung von strengen hygienischen
Maßnahmen
- Spaltlampenuntersuchung der vorderen Augenabschnitte und Kontrolle des
Linsensitzes und der -beweglichkeit sofort nach Einsetzen und ggf. nach
einer Mindesttragezeit von 30 Minuten
- Ggf. Änderung der Daten der Rezeptlinse/Beschaffung der
Rezeptlinse, sofern diese nicht vorrätig ist. Gängige
Verbandlinsen sollten für Notfälle auf Lager gehalten werden
- Unterweisung und Schulung des Kontaktlinsenträgers
- Kontaktlinsenkontrolle: siehe
Leitlinie Nr. 6 (Intervalle aber
engmaschiger!)
Im Einzelfall erforderlich
- Vermessung der zentralen Hornhautradien ggf. orientierend am Gegenauge
bei Verletzungen der Hornhautoberfläche
- Prüfung des Tränenfilms auf Tränenqualität und
-quantität, Beurteilung der Lidränder
- Lokalanästhesie und/oder Anfärbung der Bindehaut und Hornhaut
mit Farbstoff. Wegen der Kontaminationsgefahr sollten nur ungeöffnete
Flaschen oder Ein-Dosis-Ophthiolen dazu verwendet werden
- Bei aufwändiger Kontaktlinsenversorgung (bei Krankheitsbildern mit
schweren Veränderungen der Hornhaut, Anpassung von Sklerallinsen...)
sind ggf. die Anpaßvorgänge einschließlich
aufwändiger Messungen mehrfach zu wiederholen, unter Umständen
auch in mehreren Sitzungen
- Topometrie mit dem Videokeratoskop, Hornhautendothelmikroskopie,
Hornhautpachymetrie, fotographische Dokumentation zur Verlaufskontrolle:
siehe
Leitlinie Nr. 6
Therapie
- Verordnung/Anpassung und Einsetzen/Abgabe der Kontaktlinsen
- Bei Epitheldefekten, perforierenden Verletzungen (7) und
schwerem Sicca-Syndrom (2) ist eine prophylaktische Gabe von
antibiotischen Augentropfen zu empfehlen
- Bei starken Schmerzen können in der Akutphase nicht-steroidale
Antiphlogistika verordnet werden (7). Von einer längeren
Anwendung ist wegen der möglichen Verzögerung der Heilung
abzuraten (8)
- Bei Benetzungsstörungen der Hornhautoberfläche sollten
Tränenersatzmittel verordnet werden
- Eine eventuelle Zytotoxizität der verordneten Augentropfen sollte
bedacht werden (9). Soweit es möglich ist, sollten
konservierungsmittelfreie Präparate in Ein-Dosis-Ophthiolen bevorzugt
werden
- Eine Reduzierung der üblichen Dosierung ist wegen der Speicherung
der Medikamente bei Hydrogellinsen zu empfehlen (10)
Ambulant/Stationär
- Ambulant
- In seltenen Fällen (z.B. perforierende Verletzungen, akute Ulcera)
stationär
Kontrollintervalle
- Grundsätzlich
- bei der Abgabe und am darauf folgenden Tag
- bei Epitheldefekten und sonstigen Hornhautverletzungen in der Regel
täglich bis zum Verschluss des Epithels (zumindest bis zur
eindeutigen Besserung des Befundes)
- bei Beschwerden
- Im beschwerdefreien Regelfall
- 1 Woche nach Abgabe und danach mindestens 4-wöchentlich
(1)
Höh H.
"Verbandlinsen, Verbandschalen und Kontaktschalen - derzeitiger Stand und Perspektiven"
Contactologia 15: 83-94 (1993)
(2)
Aquavella J.V.
"Therapeutic Contact Lenses"
In: Contact Lenses. The CLAO Guide to Basic Science and Clinical Practice. Vol. III 67-75. Kendall/Hunt Publishing Company, Iowa (1995)
(3)
veröffentlicht im Bundesanzeiger:
Nr. 66, S. 4682-4683, vom 09.04.1997 und
Nr. 115a, S. 5, vom 26.06.1998
(siehe auch:
Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 30, 25.07.1997 und
Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 31-32, 03.08.1998)
(4)
siehe Kapitel "Kontaktlinsen" im "Grauen Ordner"
Herausgeber:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Tersteegenstraße 12
40474 Düsseldorf
Tel (0211) 43037-00
Fax (0211) 43037-20
(5)
Holden B., Mertz G.
"Critical oxygen levels to avoid corneal oedema for daily and extended wear contact lenses"
Invest. Ophthalmol., 25: 1161-1167 (1984)
(6)
Harvitt D., Bonanno J.
"Re-evaluation of the oxygen diffusion modell for predicting minimum contact lens Dk/t values needed to avoid corneal anoxia"
Optom. Vis. Sci. 76 (10): 712-719 (1999)
(7)
Vandorselaer T., Youssfi H., Caspers-Valu L.-E. et al.
"Treatment of traumatic corneal abrasion with contact lens associated with topical non-steroid anti-inflammatory drug (NSAID) and antibiotic: a safe, effective and comfortable solution"
J. Fr. Ophtalmol. 24 (10): 1025-1033 (2001)
(8)
Hersh PS, Rice BA, Baer JC et al.
"Topical non steroidal agents and corneal wound healing"
Arch Ophthalmol 108: 577-583 (1990)
(9)
Burstein NL
"Corneal Cytotoxicity of topically applied drugs, vehicles and preservatives"
Surv ophthalmolol 25:15-30 (1980)
(10)
Matoba AY, McCulley JP
"The Effect of Therapeutic Soft Contact Lenses on Antibiotic Delivery to the Cornea"
Ophthalmology 92: 97-99 (1985)
© 1998-2002 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 20.10.2002
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