Leitlinien von BVA und DOG
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG)
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Leitlinie Nr. 5
Abklärung unklarer Sehstörungen
Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von "Handlungs- und
Entscheidungskorridoren", von denen in begründeten Fällen abgewichen
werden kann oder sogar muss. Sie beschreiben, was Augenärzte für
eine angemessene Patientenversorgung in der Praxis für geboten halten.
Dies entspricht in vielen Fällen nicht dem Leistungsniveau der
gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland (siehe
Präambel).
Definition
Bei unklaren Sehstörungen handelt es sich um visuelle
Funktionsbeeinträchtigungen, für die es anhand von Vorgeschichte
oder Voruntersuchungen sowie nach vorgeschalteter altersbezogener
augenärztlicher Basisdiagnostik keine unmittelbare Erklärung gibt.
Vorgehen (1)
Notwendig:
-
gezielte Anamnese
Aktuell:
- welche Beschwerden ?
- Beschwerden seit wann ?
- Beginn (perakut, akut, schleichend) ?
- Verlauf (zunehmend, wellenförmig, gleichbleibend, abklingend) ?
- Auslöser ?
- Begleitsymptome (insbesondere Schmerz) ?
Ophthalmologisch:
- Sehhilfe (seit wann, Änderung) ?
- Amblyopie ?
- Strabismus ?
- Operationen ?
- Entzündungen ?
- Verletzungen ?
- Chronische Augenerkrankungen ?
- Augen-Medikamente ?
Familienvorgeschichte:
- Glaukom ?
- Amotio ?
- Katarakt ?
- Amblyopie/Strabismus ?
- Höhergradige Ametropie ?
- Optikusatrophie ?
- Farbsinnstörung ?
- Degenerative Erkrankung (z.B. Hornhaut, Netzhaut) ?
- Nachtblindheit ?
- ggf. sonstige hereditäre Belastungen ?
Allgemeine individuelle Vorgeschichte:
- Organerkrankungen ?
- Stoffwechselerkrankungen ?
- Hypertonus ?
- Nikotin ?
- Alkohol ?
- Drogen ?
- Medikamente ?
- Allergien ?
- Berufliche Tätigkeit ?
- Toxinexposition ?
- Soziale Situation ?
- Psychische Belastungen ?
-
Notwendige Diagnostik, zusätzlich zur bereits erfolgten
Basisdiagnostik
- ggf. Lesevisus
- ggf. stenopäische Blende
- Swinging-Flashlight-Test
- direkte und indirekte Ophthalmoskopie (erforderlichenfalls in
Mydriasis)
- Perimetrie (örtlich hochauflösend:
schwellennah-überschwellig oder kinetisch) (2)
Im Einzelfall erforderlich:
- Keratometrie
- Skiaskopie
- ausführliche Überprüfung von Augenstellung und
-beweglichkeit
- Binokularstatus
- Prüfung bezüglich Farbentsättigung/Helligkeitsvergleich
- makulare Funktionsprüfung (z.B. Amslernetz, Farbsinntests,
Fotostresstest, Blendvisus)
- Elektrophysiologie (ERG, EOG, VEP, Muster-ERG, multifokales ERG)
- Echographie (A-/B-Bild)
- Dunkeladaptation
- Fluoreszein-/ICG-Angiographie
- serologische Diagnostik
- Überweisung zur weiteren Diagnostik (z.B. Bildgebung [bei Verdacht
auf "knöcherne Prozesse": CT, ansonsten MRT], Internist, Neurologe,
HNO-Arzt)
- Kommunikation mit dem überweisenden Arzt / Hausarzt
Therapie
Abhängig vom jeweiligen diagnostischen Ergebnis
Ambulant/Stationär
- Diagnostik ambulant ggf. stationär
- Therapie abhängig von Diagnose: siehe entsprechende Leitlinien
Kontrollintervalle
- Abhängig vom Ergebnis: siehe entsprechende Leitlinien
(1)
Zrenner E., Wilhelm H., Schiefer U.:
"Strategien bei der Abklärung unklarer Sehstörungen"
(Flußdiagramm),
Ophthalmologe (1993) 90: 104-119.
(2)
Schiefer U., Wilhelm H.:
"Gesichtsfeld-Kompendium, Interpretation perimetrischer Befunde...",
Klin.Mbl.Augenh. (1995) 206: 206-238.
© 1998 BVA, alle Rechte vorbehalten
Zum Verständnis der Leitlinie: siehe Präambel
Letzte Durchsicht und Aktualisierung: 20.12.1998
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